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Weimarer Sommerkurse 2002

Das Programm im Überblick

Die "Weimarer Sommerkurse" bieten auch im Jahr 2002 wieder Gelegenheit, den Kulturraum Weimar-Jena intensiv kennen zu lernen und gemeinsam mit jungen Intellektuellen aus ganz Europa zwei Wochen lang an Themen aus Philosophie, Ethik und Religion zu arbeiten. Inhaltlicher Fokus sind die in Weimar/Jena um 1800 entwickelten "klassischen" philosophisch-ästhetischen Konzepte sowie deren widersprüchliche Wirkungsgeschichte im 19./20. Jahrhundert; aus diesen kulturellen Wurzeln der Moderne entwickeln die Sommerkurse aktuelle Perspektiven nachhaltiger europäischer Entwicklung. Dazu bieten wir drei parallele Kurse mit unterschiedlichen inhaltlichen Schwerpunkten an:

Kurs A – "Tue das, wodurch du würdig wirst, glücklich zu sein!" (I. Kant)
Die Aktualität der philosophischen Debatten in Weimar/Jena um 1800 zur Begründung eines zukunftsfähigen (globalen) Ethos

Angesichts fortschreitender Globalisierung und vielfältiger Konflikte in dieser Welt geht es heute mehr denn je um die Begründung, besser: um die Diskussion eines möglichen universalen Ethos. Dies ist jedoch im Grunde keine neue Fragestellung: In den Debatten und Kontroversen um 1800, die von Weimar und Jena aus geführt wurden, sind Begriffe wie Toleranz, Menschenrechte, Humanität entscheidend geprägt und das sich herausbildende Ethos der Moderne bereits kritisch reflektiert worden.

Hauptinhalt des Kurses ist vor diesem Hintergrund die Frage, welchen Beitrag die philosophischen Debatten in Weimar/Jena sowie deren Wirkungsgeschichte im 19. und 20. Jahrhundert für die aktuelle Auseinandersetzung über Grundzüge eines zukunftsfähigen Europas, einer zukunftsfähigen Welt-Gesellschaft leisten können. Der Kurs wird in die Grundlagen und Hintergründe der historischen Debatten einführen und unter Einbeziehung aktueller Probleme die Grundrisse eines zukunftsfähigen Ethos entwickeln.

Thematische Schwerpunkte:

Ablaufplan für den Kurs A zum herunterladen.

Kurs B – "...Orient und Occident sind nicht mehr zu trennen". (Goethe)
Quellen, Konstruktionen und Wirkungen von Islambildern in Europa

Das Verhältnis zwischen Europa und dem Islam ist seit Jahrhunderten geprägt von der Wechselwirkung zwischen Bildern (Feind- und Idealbilder) und Realgeschichte. Diese Spannung hat beide Kulturkreise geprägt, in Teilbereichen sogar geschaffen. Zwar hat sich die Wahrnehmung der islamischen Welt in Europa in den letzten beiden Jahrhunderten differenziert und von manchem Vorurteil befreien können. Hat es aber einen wirklichen Wandel gegeben? Oder empfindet nicht die Mehrheit noch immer - oder wieder - den Antagonismus zwischen "dem Westen" und "dem Islam", der schon die Wahrnehmung im Mittelalter bestimmte? Wie tiefgreifend hat sich eigentlich der Wandel der Wahrnehmung des Islam im Zuge der Aufklärung vollzogen? Sind es neue Bilder, aber alte Mechanismen, die heute wirken?

Der Kurs lädt zu einem spannenden Gang in die europäische Seele ein. Mittels kritischer Analyse europäischer (Geistes-)Geschichte soll dabei nach Möglichkeiten einer Neuorientierung für die Gegenwart gesucht werden. Dabei werden auch die Weimarer und Jenaer Bestände des 18. und 19. Jahrhunderts neu befragt.

Thematische Schwerpunkte:

Ablaufplan für den Kurs B zum herunterladen.

Kurs C – "...weil es die Schönheit ist, durch welche man zur Freiheit wandert." (Schiller)
Die Rolle der Kunst in Zeiten des "Sustainable Development"

Während die kulturelle Dimension des Leitbildes Nachhaltigkeit (Sustainable Development) inzwischen erkannt und weithin diskutiert wird, löst die Verbindung von Nachhaltigkeit und Kunst spontane Einwände aus: Soll hier versucht werden, Kunst für außerkünstlerische Zwecke zu instrumentalisieren, wo doch zumindest die moderne, kritische Kunst sich gegen jede Funktionalisierung sträubt? Doch wird man beim genaueren Hinsehen nicht nur feststellen, dass die zeitgenössische Kunst vielfältige Erkundungen angestellt hat, die heute mit Blick auf eine zukunftsfähige Moderne aufschlussreich sind. Mehr noch: Bereits vor rund 200 Jahren erschütterte eine "ästhetische Revolution" Europa, in deren Mittelpunkt ein neues Verständnis der Kunst als Mittel zur grundhaften Erneuerung der Gesellschaft stand.

Der Kurs will Möglichkeiten für produktive Wechselwirkungen zwischen künstlerischen Äußerungen und dem Leitbild "Sustainable Development" erkunden. Vor dem Hintergrund des zeitgleich in Johannesburg stattfindenden Um-Welt-Gipfels werden dazu auch die wesentlich in Weimar/Jena entwickelten "klassischen" ästhetischen Positionen herangezogen.

Thematische Schwerpunkte:

Ablaufplan für den Kurs C zum herunterladen.